Tamtam bei den Comicanern (4)

Der Adler mit den felsigen Flügeln

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Quasi Mondlandung des kleinen Mannes: Belgisches Comic-Zentrum, Brüssel (Foto: Munich Globe Bloggers)

(Hier geht’s zu Folge 3). Frühstück im Hotel Welcome, Quai au Bois à Brûler 23 (Brandhoutkaai). Ein kurzer Hundegalopp nördlich der Kirche Saint Catherine. Mit Polly dauert es länger. An den Fischläden kommt sie nicht vorbei, ohne eine ordentliche Schnupper-Brotzeit einzunehmen. Die Hotel-Crew ist sehr herzlich zu mir und meiner kleinen Hundedame. Von der Lobby bis zu unserem Zimmer haben wir eine kleine Weltreise gemacht. Kuba, Marokko, Tibet, Kongo, Japan, Sansibar … Jedes Zimmer illustriert ein Reisethema. An einer Tür im Treppenhaus steht Antoine de Saint-Exupéry in Pilotenkluft, über ihm der Kleine Prinz. Wir wohnen in Bali. Die wilde Maske an der Tür hält böse Geister fern. Hier träumt Polly bestimmt nicht von Riesenkatzen. Schon eher von Dino-Knochen.

Die Bilder im Magritte-Museum begleiten mich noch eine ganze Weile durch Brüssel, ziehen an meiner Gedankenleine wie Polly, wenn sie einem Geruch verfällt. Zu Golconda (1953) summe ich die Weather Girls: It’s raining men. Bei Les Amants (1928) sehe ich Christo, wie er Gustav Klimts Der Kuss verpackt. Vom Gebirge auf Le domaine d’Arnheim (1948) fühle ich mich beobachtet. Genug geträumt, sagt Polly. Los jetzt zum nächsten Tintin-Spot. Der Flohmarkt am Place du Jeu de Balle (Vossenplein). Hier kauft Tim sein Modell der Einhorn. Als wir ankommen, sind die Stände schon ziemlich abgegrast. Sieht aus wie ein Müllplatz. Polly gefällt’s. Endlich interessante Dinge auf Augenhöhe. Alt werden wir nicht. Wir nehmen die Rue des Tanneurs (Huidevettersstraat). Eine Straße mit Jugendstil-Fassaden und surrealistischen Läden.

Am Eingang zum Belgischen Comic-Zentrum übergebe ich Polly an Madame Däkki, unsere abenteuerfeste Begleitung auf so mancher Reise. Hergé sagte: „Tim ist mein besseres Ich“. Und Willem De Graeve, der junge Museumsdirektor, sagt: „Tim ist sehr simpel gezeichnet. Jeder kann sich mit ihm identifizieren.“ Tim ist alterslos, und irgendwie auch geschlechtslos. Er tarnt sich als Opi und Asiate, als Frau und Afrikaner. Ein Alleskönner, aber kein Super-Held. Auch Struppi hat seinen Auftritt in der Dauerausstellung. Eine Tafel rühmt ihn als Helden: Struppi beißt einen Löwen, entdeckt explosives Gepäck, zertrümmert eine Vase auf einer Gauner-Birne. Polly würde Struppi anhimmeln.

(Weiter mit Folge 5)

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