Tamtam bei den Comicanern (3)

Die Blume mit den goldenen Blättern

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Ceci n’est pas un os: Nicht mal das Bild von einem Knochen (Foto: Munich Globe Bloggers)

(Hier geht’s zu Folge 2). In Brüssel ist Surrealismus eine Lebenskunst. Das Absurde fließt aus Magrittes Gemälden in den Alltag. Vielleicht auch anders rum: René Magritte als realistischer Maler des Brüsseler Alltags. Polly und ich, die wir hier ein paar Tage zu Gast sind, fühlen uns gut aufgehoben. Zwei Schrullen unter Kauzen, das passt. Auch der EU-Politik steht die Hauptstadt des Surrealismus gut zu Gesicht. Eigentlich müsste alle Politik der Welt hier in Brüssel gemacht werden. Politik ist per se neben der Kappe. Und hier steht wenigstens drauf was drin ist.

Das ist kein Museum: man trinkt. „Ceci n’est pas un musée: on consomme …“ steht am Eingang des Cafés La Fleur en Papier Doré, Rue de Alexiens (Cellebroerstraat) 53. Klingt, als kämen viele nur zum Ghost Stalking. Bevor Die Blume aus goldenem Papier ein Trinkmuseum wurde, tranken dort Brüssels Schreib- und Mal-Surrealisten. René Magritte, Marcel Mariën (der mit der Brille für Bonsai-Zyklopen), Guido Gezelle (Gefühltes Selbstporträt: Ceci n’est pas une gazelle). Außerdem Hergé, der Elvis der Sprechblasen-Kunst. The fuc-king of comic. Damals gab es noch kein Rauchverbot, sagt uns die Tapete hinter den gerahmten Notizen der Stammgäste. Polly schnuppert an den antiquarischen Stühlen und Tischen. Zum Reinbeißen, vermute ich. Dazu ein Geuze, das Bier mit dem surrealistischen Geschmack. Dieses Café ist ein Palast für gerhardpoltische Schildkrötler und leidenschaftliche Museaner. So eine Kontemplations-Garage zu Hause um die Ecke? Polly und ich säßen jeden Abend dort.

Brüssel hat zwei Magritte Museen. Das eine Magritte Museum ist in Magrittes ehemaliger Wohn- und Mal-Hütte, Rue Esseghem 135, ein ganzes Stück nördlich der Altstadt. Zum Inventar gehört auch die Pfeife, die eine ist – im Gegensatz zur anderen Pfeife, die keine ist. Die Pfeife, die keine ist, hängt im Magritte Museum mit der noblen Adresse Place Royale 1. Ähnlich surrealistisch wie die Kunst René Magrittes ist die Kunst, ins Museum zu kommen. Die Tickets gibt es nicht am Eingang. Das wäre zu realistisch. Okay, die Kasse ist gar nicht so weit entfernt, wenn man weiß, wo. Orientierungskoryphäen wie ich sehen dafür noch etwas mehr von der Stadt.

(Weiter mit Folge 4)

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