Tamtam bei den Comicanern (2)

Das Geheimnis des pinkelnden Männchens

Belgien_DSC_0539_rem_cut_sm2

Begehbare Comics: Foxterrier Polly (nicht im Bild) fühlt sich pudelwohl bei seinem Cousin Struppi (Foto: Munich Globe Bloggers)

(Hier geht’s zu Folge 1). Da ist es ja, das berühmte Bronze-Manschgerl mit der Superblase. Viel kleiner als auf den Bildern. Nur 60 Zentimeter. Das Männchen – nicht sein Ding. Doppelt so groß wie Barbie. Wir sind enttäuscht. Wie damals bei der Mona Lisa. Was sie da im Louvre haben, ist eine Briefmarke mit viel Holz drumrum, kein Gemälde. Dann noch dieser Sicherheitsabstand. Ohne Opernglas kann man sich das Lächeln nur zusammenreimen. Die Mimik des Manneken ist wenigstens deutlich erkennbar. Entspannt und zugleich konzentriert. Typisch für Leute, denen es ergeht wie Sisyphos. Allerdings taugt das Manneken nicht gerade für meine Lieblingswerbung, die anscheinend für das klassische ICE-Publikum entworfen wurde. Sonst müsste der Prostagutt-Slogan ja heißen: „Immer müssen müssen.“ Polly fände es übrigens cooler, wenn in der Nische Tim und Struppi stünden und gemeinsam in den Brunnen strullerten.

Vielleicht hätten wir nicht den direkten Weg von Grand Place nehmen sollen. In der Rue de l’Etuve grüßen uns Tim, Struppi und Kapitän Haddock von einer Feuerleiter. Eine Szene aus Der Fall Bienlein, fassadenfüllend vergrößert. Das gefällt mir an Brüssel. Häuserwände sind Comicfläche. Danach wirkt das Manneken quasi noch minikinner. Wir erwischen leider einen FKK-Tag. Das Männchen sieht nicht immer gleich aus, verrät unser Experte, ein pensionierter schwedischer Diplomat. Immer öfter trägt Puller-Joe an besonderen Tagen die passenden Klamotten. Er war schon Elvis, Nelson Mandela, Kolumbus, Mozart, Dracula, Obelix, tibetischer Mönch und Weihnachtsmann. Quasi alles außer Tim. Über 800 Kostüme zählen die Costume Counter vom Musée de la Ville de Bruxelles (Brüsseler Stadtmuseum) im Maison du Roi (fläm.: Broodhuis), Grand Place. Eine ganze Stange davon hat das Museum gehortet und ausgestellt. Mit diesem Fundus kann nicht mal Playmobil mithalten. Zum Glück bin ich keiner dieser Belloween- oder Dogtoberfest-Psychos. Sonst müsste Polly jetzt als Robin Hood, Papst oder Mr. Spock durch Brüssel tigern … und strullern.

(Weiter mit Folge 3)

Leave a Reply

You can use these HTML tags

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>