Tamtam bei den Comicanern (1)

Königin Pollys Zepter

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Königin von Brüssel: Im Pavillon Louis XV lässt sich Polly die Gourmet-Krone aufsetzen (Foto: Munich Globe Bloggers)

Polly zappelt und zerrt an der Leine. Eben öffnet die Toutou Bar. Das Hunderestaurant im Parc de Wolvendael. Die Bedienung streichelt Polly über den Kopf. Oha! So läuft das. In Pollys Gourmet-Nase brennt ein Feuerwerk der Düfte. „Nein, Polly. Da gehen wir nicht rein. Das ist dekadent. Durchgeknallt. Beinahe surrealistisch.“ Zwecklos. Polly ist ein Foxterrier. Und ein Mädchen. Eine halbe Stunde später steht sie auf einem roten Tischchen, schlürft Red Dog Hundebier und futtert Drei-Sterne-Hundepasta vom Tablett. Fehlen nur noch Hundezigarren. Als Zepter für Queen Polly. Eigentlich sind wir wegen Hergé hier. Um die Ecke macht Tims Pappi ein längeres Päuschen. Auf dem Cimetière du Dieweg. Der Friedhof hat noch zu. Im Parc de Wolvendael stand früher eine Bronze-Statue von Tim und Struppi. Ihr erging es leider wie Tim im Comic. Wurde ständig von Schurken attackiert und ist schließlich umgezogen ins Kulturzentrum nebenan. Immerhin gibt es eine Hergé Allee. Und dieser jaulende Höllenhund von einem Hunderestaurant. Hagel und Granaten! Brüssel ist viel komischer als ich dachte.

Ich gestehe: Bin ein notorischer Sofa-Traveller und habe nie verstanden, warum die Leute ständig reisen. Wenn ich Bewegung brauche, jogge ich ein paar Runden im Park nebenan. Will ich ein Abenteuer erleben, lese ich Tim und Struppi. Und wenn mir nach menschlicher Gesellschaft ist, gehe ich in den Pub um die Ecke. Also wozu reisen? Das Problem ist Polly. Mein Hundemädchen. Sie ist entfernt mit Struppi verwandt. Sobald ich einen Tintin-Band aus dem Regal ziehe, erkrankt sie unheilbar an Fernweh. Meistens gehe ich einfach raus mit ihr, an irgendeine Ecke der Stadt, die sie noch nicht kennt. Das ist für sie wie Reisen. Aber manchmal steckt sie mich an. Dann fahren wir einfach los.

Für Tintinisten ist Brüssel wie Mekka für Bärtige, wie Hawaii für Wellenrodeos. Tante Internet serviert dazu knackigen Reiseproviant: Brüssel für Tim & Struppi – Fans von Michael Höfler. Mehr brauchen wir nicht. Bloß noch eine geräumige Hundehütte. Und einen Stadtplan.

(Weiter zu Folge 2)

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