Was vom Apfel übrig blieb. Drei Bayern auf Rügen (5)

Es gibt kein Pier in Stralsund

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Skyline with a naval quality: Stralsund begrüßt seine Seeräuber mit weißen Blähungen (Foto: Munich Globe Bloggers)

(Hier geht’s zu Folge 4). Bye, bye Rügen. In Superpams Blech-Rammler Bigwig 72 hoppeln wir ein letztes Mal über die kopfsteinigen Alleen. Kurz vor der Rügenbrücke ein Abstecher nach Altefähr. Penner-Picknick an der Ufermauer mit Blick auf Stralsund. Auf der Fähre rüber hätte auch was. Oder im Kajak. Vielleicht sollten wir noch schnell einen Verein gründen: Freunde der Erhaltung der Vielfalt bei der Überquerung des Strelasunds e.V. Wir nehmen dann doch die Spießer-Route über die Brücke. Wenn ich Stralsund höre, klingelt der alte Europa-Störtebeker aus Knirps-Tagen in meinen Ohren. Gleich zu Anfang entern er und seine Augenklappen-Kombo eine Wasserkutsche der Hanse. Die gefangenen Pfeffersäcke stecken sie in leere Hering-Fässer. In den nächtlichen Gassen von Stralsund macht Störtebeker mit den Fässern eine viel beachtete Seeräuber-Kunst-Installation. „Man kann hier also Spaß haben“, resümiert Brezner meinen Ausflug ins späte 14. Jahrhundert. „Hoffentlich hat sich nichts geändert.“

Superpam spielt Kapitän. Wir trotteln hinterher. Pam sucht immer noch Postkarten. Vielleicht gibt’s welche mit Störtebeker drauf. Stralsunds Altstadt wirkt aufgeräumt. Für die aufgebrezelten Weltkulturerbe-Häuser hat Superpam wenig übrig. Nur wenn zwischen drin mal, wie am Alten Markt, ein Haus aus fieser Ost-Platte einen auf Hanse-Optik macht, legt Superpam los wie Kapitän Haddock: „Quartalssäufer! Pfeffersäcke! Süßwassermatrosen!“ „Wieso?“, fragt Brezner. „Da hat DJ Honey doch ganz solide aufgelegt.“ Dazu muss man wissen, dass Brezner im Münchner Westend wohnt. Bei der Neu-Verunstaltung der Alten Messe (Schwanthalerhöhe) hat sich die Stadt alle Mühe gegeben, eine Mondlandung der Geschmacklosigkeit hinzulegen. Brezner kennt seine Plattenheimer.

Das Meeresmuseum hat sich ganz schön aufgeplustert. Kugelfischsyndrom? Zum frühgotischen Backstein-Kloster mit der legendären Finnwal-Reliquie gesellt sich seit 2008 das Ozeaneum. Optisch liegt diese Frischfischkonserve irgendwo zwischen Frank Gehry und Sydney Opera House. Ich habe was übrig für Aquarien. Je größer, desto besser. Leider hat Superpam ihre Postkartensuche durch Heimweh ersetzt. Ein letztes Foto mit Hans Albers. Dann füttert sie unserem Navi-Fisch Anne Bonny die Adresse ihres Hamburger Heimathafens. Ich setze die Juke-Box mit Galaxie 500 außer Gefecht. Als Ersatz biete ich an, die Fahrt mit ein paar Seemannsliedern zu vergolden. Einstimmig meutert es mir entgegen: „Fuck you, Captain!“

Hier geht’s zum Foto-Album. (Serviceteil folgt – vielleicht).

1 comment to Was vom Apfel übrig blieb. Drei Bayern auf Rügen (5)

  • Laura

    Ich bekomme Lust mich bei meiner naechsten Reise ins Segelboot zu schwingen und Ruegen zu umkurven. Ob wohl die Dreiercrew mit von der Partie ist?
    Liebsten Gruss aus Barcelona

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