Was vom Apfel übrig blieb. Drei Bayern auf Rügen (4)

Mönchgut, alles gut

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Der Abend stirbt langsam, der Morgen nie: Ergebnis des ersten Rügener Bodden-Silentiums (Foto: Munich Globe Bloggers)

(Hier geht’s zu Folge 3). Apfelkuchen zum Frühstück. Wo haben Lydia und Martina ihre Engelsflügel versteckt? Leckerisimo, was sie uns da auftischen. Solche Nachbarinnen sollte man buchen können. Für unsere Expeditionslust muss heute die nähere Umgebung herhalten. Mönchgut heißt diese südöstlichste Ecke Rügens mit gefühltem Zehn-Kilometer-Sandstrand von Göhren bis Thiessow. Wir lassen Superpam im Basislager Klein Zicker zurück. Die menschenopferaffinen Zicker-Mountains sind nichts für kleine Mädchen. Aufstieg nur für Halb-Yetis und Messner-Klons. Wir wagen es ohne Sherpas und Sauerstoffgerät. Könnte uns ‘nen Eintrag im Guinness-Buch bescheren. Eintrag im Gäste-Buch eines Irish Pub wäre auch noch akzeptabel. Rügen, dieses alte Seeräuber-Nest, sollte doch irgendwo eine Guinness-Tankstelle haben.

Unsere Nachbarinnen sind beflügelt vom Erfolg ihres Apfelkuchens. Jetzt verkaufen sie auch noch hochprozentigen Trink-Apfel auf dem Rügen-Markt in Thiessow. Ich entere den Senfstand nebenan. Störtebeker im Glas – „körnig und extrascharf“. Verspricht eine Breitseite auf den Gaumen. Alt Reddevitz könnte man fast als Geheimtipp ausplaudern. Von den großen Blech-Karawanen zwischen Putbus und Sellin bleibt hier fast nichts übrig. Alte Fischerhäuser wie aus den Petzi-Büchern und entspannte Fischrestaurants. Der rußende, pfeifende Roland wagt sich nur bis Baabe und von dort weiter nach Göhren, zur entgegengesetzten, östlichen Seite von Mönchgut. Rolands Pfeifen hören wir bis ins Apfelparadies, den Qualm dazu machen wir aber lieber selber. Danke Superkettenkippenpam!

Am Abend noch ein Shorty zum Alt Reddevitzer Land’s End. Auf der Karte sieht die Landzunge aus wie ein mehrfach verbogener Indianer-Pfeil. Chill-out am schmalen Strand unter dem Mini-Steilufer. Ein Fläschchen Apfelwein. Eine Packung selbstgemachter Weisheiten. Mehr braucht es nicht zum kleinen Abendglück. Brezner steigt die Stille zu Kopf: „Apfelsaft, Apfelsaft, das ist was der Apfel schafft“, reimt er zur Melodie von Helge Schneiders Katzeklo. Mich kann heute nichts mehr umwerfen. In aller Seelöwenruhe lasse ich meinen Blick über Bodden und Felder steigen und nicke zufrieden. Kein Pferd auf weiter Flur.

(Weiter zu Folge 5)

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