Was vom Apfel übrig blieb. Drei Bayern auf Rügen (2)

Blau glüht der Klee auf Hiddensee

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Diese Dornbuschs: Schauplatz der beliebten Leuchtturmfamilienserie am Hüttensee (nicht im Bild) (Foto: Munich Globe Bloggers)

(Hier geht’s zu Folge 1). Frühstück im Wintergarten von Doris’ Apfel-Paradies. Superkaffee von Superpam. Entschädigt für ihre Ringelsocken, die wir auf jeder Reise ertragen müssen. Ebenfalls super: Brezners Breakfast-Soundtrack. Gute Nacht, Freunde. In der Version von Inga und Wolf. Wir sind also bestens gerüstet für die Seufz-Insel Hiddensee. Dabei gibt sich die Romantik im Sommer eher schüchtern. „Man müsste mit dem Schlafsack am Strand übernachten“, meint Museum-Ingo, Superpams persönlicher Hiddensee-Berater. „Wenn die Tagesgäste weg sind ist das eine ganz andere Insel.“ Aber wer hört schon auf Ingo? „Mensch Ingo, red’ kein Quatsch“, singe ich. Brezner meint, es heiße Uschi – nicht Ingo. Mir doch egal. Außerdem haben wir die Schlafsäcke vergessen. „Immer noch besser als den Farbchip in der Kamera“, meint Brezner. „Davon weiß man hier ein Lied zu singen.“

Am Hafen von Schaprode steppt der Friedrich. Alle wollen nach Hiddensee. Gürtelschnallen-Model Superpam nutzt die Wartezeit für ein trashiges Fotoshooting. Neben dem Knacker auf dem Störtebeker-Plakat wirkt sie erfrischend jugendlich. Mit psychologischem Rückenwind tuckern wir nach Neuendorf. Wir satteln die letzten drei Blech-Ponys und galoppieren über die Insel-Prärie. Im Café Wieseneck in Kloster bekomme ich endlich meine Sanddorn-Torte, Brezner seine Sanddorn-Suppe und Superpam nebenan ihre Sanddorn-Postkarte. Fehlt noch der erleuchtende Ausblick vom Leuchtturm Dornbusch.

„Foto, Chief!“ Oh nee! Ich hab’s geahnt. Brezner steht da, steif wie eine Gallionsfigur und zeigt mit nautischer Miene in die Ferne. Superpam, sexy wie Käpt’n Iglos Großmutter, steht daneben und zeigt in die entgegengesetzte Richtung. Davon soll ich ein Foto machen? Hoffentlich gibt’s hier keine Hafenmission. Die kassieren uns glatt ein. Zugegeben, so ein bescheuertes Zeigefoto machen wir auf jeder Reise. Quasi Ritual. Aber ausgerechnet auf Hiddensee? Und auch noch am Leuchtturm Dornbusch – für mich die Blaue Blume. Ich wünschte, meine Kamera wäre ein portables Beam-Gerät. Dann könnte ich die beiden Romantik-Bremsen irgendwo im Weltall parken.

Mit zerzauster Stimmung radeln wir zurück nach Neuendorf. Die Straße ist aus Platten wie damals die Transitstrecke nach West-Berlin. Ich fahre extra langsam. Vielleicht verpasse ich die letzte Fähre nach Rügen. Hiddensee zurückzulassen, sage ich mir, ist ein bisschen wie sterben. Hat vielleicht noch etwas Zeit. Brezners mp3-Maschine spielt schon wieder Gute Nacht, Freunde.

(Weiter zu Folge 3)

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