Was vom Apfel übrig blieb. Drei Bayern auf Rügen (1)

Wir sind so wild nach deinem Jasmund

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Drei Wanderameisen in Betrachtung des Kreidefelsens – handgemalt mit Pelikanfarben. Ehrenwort! (Gemälde: Munich Globe Bloggers)

Ein Gedicht ist kein Baedeker. Als Reise- und Naturführer ist Lyrik eher unpraktisch. Der Wald steht stumm und schweiget … Von wegen. Jedenfalls nicht dieser Herr Jasmund, von Beruf Nationalpark im Nordosten Rügens und prominenter Besitzer bröckelnder Kreidefelsen. Vielleicht krankt Herr Jasmund an Alzheimer oder Handyheimer. Jedenfalls nuschelt er unablässig durch seinen Buchenblätterbart. Brezner und ich finden das ganz entspannend. Superpam zappelt. Nach zehn Waldraschel-Minuten hat sie ihren ersten Schlager-Anfall: „Da steht ein Feerd auf dem Flua, ein Feerd auf dem Flua“, krakeelt sie aus heiterem Himmel und in Endlosschleife. Superpam kennt nur den Refrain. Mein Qi checkt aus. Die innere Harmonie ist dahin. Statt Meditation vor dem Wissower Stillleben rattert die Reeperbahn durch meine Ohren. Und Brezner? Singt einfach mit. Mir bleibt keine Wahl: „Da steht ein Feerd auf dem Flua …“, bompft meine Box bis die Bäume ihre Wurzeln in die Hand nehmen. Fast wie die Baumwesen Ents in Der Herr der Ringe.

Von Sassnitz bis Lohme stiefeln wir die Kreideküste entlang. Erst am Hochufer durch den Buchenwald bis zum Königsstuhl, dann unten am Strand. Die Ostsee posiert vor den weißen Promi-Felsen wie ein Pfau. Zeigt mehr Grün- und Blautöne als ein zweistöckiger Pelikan-Malkasten. Auch mit großen und kleinen Schiffen protzt das Meerchen. An den Panorama-Lichtungen versuche ich Superpam per Fotoanweisung über die Klippen zu bugsieren. „Noch ein Schrittchen zurück, bitte!“ Leider ist sie ziemlich ausgeschlafen im Vergleich zu mir. Ich träumte, dass ich in meinem Bett ins Meer hinaus treibe. Brezner meint, das liege an der Feuchtigkeit in unserem Schlafgemach. Sicher sei unsere Bude in einem früherem Leben ein Dampfbad gewesen. Die ollen Römer seien ja ziemlich rumgekommen.

Nach jedem Foto schalte ich auf Usain-Bolt-Modus, um meine Freunde einzuholen. Superpam meint, in der Zeit, die ich für ein Foto brauche, hätte Caspar David Friedrich dasselbe Motiv mit Öl gemalt. Ich atme tief durch und freue mich, dass sie nicht singt. Mit dem Bus zurück nach Sassnitz. Da steht ein Pferd über dem Eingang vom Parkhotel. Brezner flüstert: „Auf dem Flur war wohl kein Platz mehr.“ Einen Tick zu laut. Superpam sieht das Pferd auch und fängt an zu singen …

(Weiter zu Folge 2)

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