Zen und die Kunst, einen Trolley zu tragen (6)

Sri Lanka lässt niemanden im Teebeutelregen stehen

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Der Teichrosengießer ist der Sisyphos des Zen. Meditationspool im Amanwella Ressort, Tangalle (Foto: Munich Globe Bloggers)

(Hier geht’s zu Folge 5). Und dann passiert es doch. Weit weg vom Hochland mit seinen Tee-Hügeln und den Hotels im Kolonialstil. Im Amanwella Resort in Tangalle, an der Südküste. Die Anlage ist ein meisterliches Spiel aus Licht, Formen, Linien und Perspektiven. Minimalistisch. Elegant. Offen. Palmen spiegeln sich im randlosen Pool, der scheinbar nahtlos ins Meer übergeht. Eine maritime Variante des Ha-Ha-Effekts der englischen Landschaftsgärten. Architekt Kerry Hill ließ sich spürbar von Geoffrey Bawa (1919-2003) erleuchten, Sri Lankas Respekt-Architekten und Buddha des tropical modernism. Holz, Stein, Glas. Hier trifft sich der Zen-Garten mit der kalifornischen Moderne, dem Westcoast-Futurismus von Pierre Koenig. Ein bisschen Angeberwissen muss sein. Was soll man sonst sagen? – Mit einem Gin Tonic in der Hand und Abendbrandung im Ohr.

Am nächsten Morgen bin ich früh auf. Das Meer wirkt ein wenig müde. Wahrscheinlich hat es wieder die ganze Nacht durchgemacht. Vor dem Frühstück ein kleiner Spaziergang durch die Anlage. Aus einem seichten Bassin ragt eine Teichrose. Direkt darüber, ein Eisvogel. Unbeweglich sitzt er auf der angrenzenden Mauer. Sein Gefieder schimmert in der Sonne. Blauroter Glanz, metallisch wie eine polierte Harley. Ein jäher Ruck. Der Vogel stürzt herab, taucht die Flügel ins Wasser, schwingt sich zurück auf die Mauer und verharrt so unbeweglich wie zuvor. In dem Moment, als der Eisvogel seine Starre aufgibt, öffnet sich das Gebäude, das Meer, die Welt wie ein riesiger Vorhang. In dem endlosen, kosmischen Weiß erscheint der buddhistische Mönch aus den Alpen. Er lächelt. Und er hat mein Gesicht. Bei Siddharthas Ohrläppchen, schon wieder so ein Zen-Rätsel! Das Gesicht löst sich auf, verwandelt sich in eine dampfende Tasse Kaffee. Frühstück! Ich beschließe, nicht mehr zu grübeln, den Rätseln mit einem Lächeln zu begegnen.

Abschied. Am Tor erwartet uns ein Mädchen mit einem Korb. Als der Wagen anrollt, wirft sie weiße Frangipani-Blüten in die Luft. In Zeitlupe fallen sie auf uns herab. Sollte sich mein Gedächtnis eines Tages entschließen, die Erinnerungen an Sri Lanka in einem einzigen Bild festzuhalten, es wäre dieses.

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