Zen und die Kunst, einen Trolley zu tragen (4)

Sri Lanka pflegt Englischen Rasen

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Howie Mad Duck: Das inoffizielle Maskottchen von King George IV. posiert vor dem Grand Hotel wie die Schlosswache am Buckingham Palace (Foto: Munich Globe Bloggers)

(Hier geht’s zu Folge 3). Anweisung an einen Tee-suchenden: Beobachte zehn Jahre lang den Tee, werde selber zum Tee, vergiss dann alles und – trinke. Profi-Buddhisten erkennen dahinter die kleine Anleitung zum Bambus-Malen aus Eugen Herrigels Klassiker Zen und die Kunst des Bogenschießens. Eine Lektüre, die mich kopfschüttelnd zurückließ. Diät-Pommes! Gourmet-Ketchup! Kamillenwhisky! Curse it like Captain Haddock. Scheiß auf die Erleuchtung. Zeit für erdigere Lektüre: Löcher von Louis Sacher. Quasi zenloser Zen für die Wüste.

Von Kandy Richtung Südosten. Tief ins Teeland um Nuwara Eliya. Hinein in die textmarkergrünen Hügel. Die Farbkleckse zwischen den Teestauden entpuppen sich als Pflückerinnen. Am Kopf haben sie große weiße Säcke festgebunden. Nur Schultern, Kopf und Arme kucken aus den Stauden heraus. Wie kleine dunkle Vögel flattern die Hände über die strauchigen Bäumchen, picken hierhin und dorthin und zwicken von jedem Zweig bloß die Krone. Harte Arbeit, schön anzusehen. Ornithologisch wertvoll!

Nuwara Eliya ist Sri Lankas Tee-City. Very british, indeed. Victoria Park, Golfplatz und allerhand koloniale Hütten. Ein backsteinpinkes Post Office mit Uhrtürmchen und Hotels im Herrenhausstil. Fehlt noch der Milchmann. Und die roten Telefonzellen. Der Platzhirsch ist das Grand Hotel, fast schon humorvoll verwinkelt und vererkert und umgeben von verspielten Hecken, Bäumen, Blumen und britisch manikürtem Rasen, jeder Halm handbemalt und handgekämmt. Die weißen Gartenmöbel viktorianisch verschnörkelt. Innen, in den knarzenden Endlosfluren, überholt mich die Bobbycar-Szene von Kubricks The Shining. Ihre Geister haben die Briten auch in die Kolonien exportiert.

Ein paar Straßen und einen Golfplatz weiter, auf der Terrasse des tudurösen Hotel St. Andrew’s, klingelt ein Tee-Buffet. 15 Sorten zur Auswahl. Und eine Old-School-Lehrtafel preist die Benefits of Tea: „It maketh the body active and lusty … It vanquisheth heavy Dreams, easeth the Brain and strengtheth the Memory…“ Erkenntnis des Tages: Ich bin immun gegen Tee.

(Weiter zu Folge 5)

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