Zen und die Kunst, einen Trolley zu tragen (3)

Sri Lanka pflegt Buddhas Zähne

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Die buddhistische Hintertreppe: Autor Chief Chibuku (nicht im Bild) auf teephilosophischen Nebenwegen im Hotel Suisse, Kandy, Sri Lanka (Foto: Munich Globe Bloggers)

(Hier geht’s zu Folge 2). Der Berg rief. Ich kam. Ein Weilchen her, das Ganze. Irgendwo in den Alpen. Auf dem Gipfel saß ein Zen-Meister. Ringsum dichter Nebel. Der Meister lächelte etwas jenseitig und reichte mir eine Tasse Tee. Mit jedem Schluck wurden die Berge hinter dem Nebel klarer. So klar, dass mein Blick durch den Stein drang. Ich sah den Meister verwundert an. Er lächelte nur. Ich verstand. Glaubte ich wenigstens. Tee ist flüssige Erleuchtung. Die Message ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Zu Hause trank ich Unmengen dieser Aroma-Brühe. Allen Farben und Schattierungen. Weiß, gelb, grün, schwarz, rot. Vergeblich. Die Erleuchtung blieb aus. Weiß und undruchdringlich blieb die Mauer vor mir. Der Zenist, reimte ich mir endlich fake-asiatisch zusammen, ist ein ewiger Sucher. Wusste er auch, wonach er suchte? Eher nicht. Das brachte uns ein wenig näher.

Jahre später schleppt mich der Fernschmerz nach Sri Lanka, auf das Ceylon von Sindbad dem Seefahrer, dem Odysseus des Orients. Etwas südwestlich der Inselmitte lümmeln sich die Central Highlands. Meine nächste Station. Die Chefstadt Kandy war im früheren Leben ein Ingwer-Bonbon. Koloniale Schlaf-Autorität ist das Hotel Suisse. Hügellage mit Seeblick. Das künstliche Wässerchen mit der künstlichen Insel ist sowas wie Kandys flüssiger Trafalgar Square. Angelegt für den damaligen Kandy-König, bevor die Kolonialbriten von König George III. alias Mad Cow mit ihrem Größenwahn Gassi gingen. Kandy Lake hat feinste Stadtlage. (Kenne ich sonst nur von Helsinki. Da heißt er Töölönlahti.) Hier mach Pause, Fremder! Geh’ den Lover’s Walk im Naturpark Udawatta Kele Sanctuary. Aale deine Nase in den Orchideen der Royal Botanic Gardens in Peradeniya. Bürste deine Zähne vor dem Zahntempel Sri Dalada Maligawa. Dort reliquiert einer der 400 Original-Eckzähne Buddhas in einem goldenen Kukident-Kästchen. Garantiert ewiges Lächeln. Okay, aber sicher Karies-Schutz bis zum nächsten Leben. Mein zahnbuddhistisches Reinigungsritual verlangt nach einer Tasse Tee zum Nachspülen. Mit dem letzten Schlürfer sprudelt mir ein erquickendes Hausmacher-Satori ins Bewusstsein: Willst du den Tee verstehen, suche seine Wurzeln.

(Weiter zu Folge 4)

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