Zen und die Kunst, einen Trolley zu tragen (2)

Sri Lanka bremst mit der Hupe

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Hupen zwecklos: Fahrer träumt vom FC Rüsselheim (Foto: Munich Globe Bloggers)

(Hier geht’s zu Folge 1). Colombos Verkehr hat James-Bond-Format. Von den Standard-Gimmicks im Auto werden allerdings nur zwei genutzt: Gas und Hupe. Lenkrad, Blinker und Bremse sind reine Deko. Braucht kein Mensch. Gelenkt und geblinkt wird mit der Hupe, gebremst wird gar nicht. Notizbuch-Eintrag: Feel like a fucking Crashtest-Dummy.

Sortiert man die Sri Lanker nach ihrer religiösen Vorlieben, bekommt man offiziell etwa 70 Prozent Buddhisten. Im Straßenverkehr spüre ich nichts von der Gelassenheit und Erleuchtung, die ich mir versprochen habe. Das zwingt mich zu vier alternativen Thesen: 1. Buddhisten beteiligen sich gar nicht am analogen Straßenverkehr. Sie fliegen yogisch oder stehen generell über jeder physischer Mobilität, erledigen quasi alle Bedürfnisse auf spirituellem Wege. 2. Sri-lankische Autos haben einen Buddhismus-Filter. So wie sie auf europäischen Straßen einen Vernunft-Filter haben und halbwegs friedfertige Menschen in Zombies verwandeln. 3. Buddhistische Erleuchtung verhindert jede Form von Angst. Man setzt sich ins Auto und lässt es einfach fahren und hupen. 4. Die Jugend mal wieder. In ihrer spirituellen Unfertigkeit denkt sie bei Suzuki an Motorräder statt an den berühmten japanischen Zen-Meister.

Friedhofsstille. Dabei liegt das Galle Face Hotel direkt am Highway A2, der Galle Face Centre Road. Die Hotelmauern sind dick und hoch. Auf der anderen Seite seufzt der Indische Ozean. Dazwischen Englischer Rasen und südasiatische Palmen. Mit einem Carlsberg setze ich mich ans Meer. Aus der Ferne grüßt Colombos Skyline – unplugged. „Cheese, wine and friends must be old to be good”, raunt ein Plakat in der Lobby. Wie lange muss ich wohl in Sri Lanka bleiben, bis wir Freunde werden? Ein paar Stunden herumirren genügt selten, will man der Chefstadt eines Landes auf die Schliche kommen. Was hängen bleibt, ist diese sonderbare Mischung aus alt und modern, aus europäisch und asiatisch. Zu wenig Material, um urbane Raffinesse hinein zu geheimnissen. Es fuchst mich gewaltig, dass ich diese wuselige Blackbox unerforscht zurücklasse.

(Weiter zu Folge 3)

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