Der blaue Abt (2)

Schmerzliche Ostern in Málaga

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Die Markise von Málaga: Unter Marias Mantel steckt der Toni und schwitzt seine Sünden weg (Foto: Munich Globe Bloggers)

(Hier geht’s zu Folge 1). Neuer Tag, neues Leben. Spritzig wie ein paarungsbereiter Halbgott reconquiste ich die Stadt, stürme das Tor zur Costa del Sol. Eine Prozession zu Ehren von St. Aspirinus auf der Palmen-Allee Paseo del Parque. Stolzer als Matadoren-Blut glänzt die Drei-Wetter-Taft gestählte Frisur in der andalusischen Sonne. Das Panorama von der Mauren-Festung Alcazaba knallt sakraler als eine zweistöckige Marienerscheinung. Dionysisch entspannt fläzt sich Málaga am Strand. We’ve got all the time in the world. Und protzt mit plakativer Symbolik: Umringt von Hochhäusern kauert die Stierkampfarena Malagueta wie ein verendender Stier im Sand unter den erbarmungslosen Augen des Toreros. Der Fortschritt erniedrigt die Tradition?

In Málagas Innenstadt rüsten die Nazarener schon wieder zum Bußwandeln. Richtig, hier spricht Edgar Wallace. Den schwarzen Abt gibt es hier in grün, weiß, rot und blau. Ist aber bei Weitem nicht so gruselig wie die meisten Kreationen der Pariser Modewoche. Gefühlte 99 Prozent der Karwochen-Besucherinnen kommen wegen Antonio Banderas. Der Zorro-Darsteller aus Málaga ist Mitglied einer Bruderschaft und büßt hier – praktisch unsichtbar – für seine schwächeren Filme. Original Sin. The Body. Never talk to strangers … Zwei Frauen im fortgeschrittenen Anstandsalter hüpfen wie Boygroup-Fans, deuten mal hierhin, mal dorthin. ¡Ese. ¡Ese! Meine Phantasie läuft Amok.

Vision 1: Godzilla als Hütchenspieler. Das Monster mischt drei tronos wie ein Profi-Trickser und lässt den Kreischmob raten, unter welchem trono Toni steckt. „¡Ese! ¡Ese!“ Godzilla grinst. „Falsch geraten, Ladys!“ Godzilla schnappt sich eine Straßenlaterne und zieht sich Banderas in die Nase.

Vision 2: Eine der Toni-Spotterinnen jubelt. In weniger als einem Amen stürzt sich ein Schwarm opferbereiter Frauen auf den unmaskierten Banderas, reißen sich die Blusen auf. Roter Lippenstift auf nackter Haut: „Toni, mach mir ein Kind!“ Toni checkt aus. Málaga grüßt Hollywood mit einer James Bond kompatiblen Verfolgungsjagd durch die Altstadt. Mehrere tronos stürzen um, ein Weihrauchdepot gerät in Brand und hüllt die Stadt in dichten Nebel. Vor mir entfaltet sich die legendäre Schlussszene der britischen Hanf-Komödie Grasgeflüster im spanisch-urbanen Remake. Bis in die Haarspitzen berauscht liegt sich eine ganze Stadt in den Armen und tanzt. Darüber schwebt San Antonio in einer Wolke aus gleißendem Licht. Mit dem Degen fuchtelt er ein Z an den blauen Himmel. Schokobraun und fettig wie Churros.

Und hier geht’s zur Fotogalerie.

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