Shannon Summer. Irisches Logbuch (2)

Eine Hausbootfahrt mit Enten

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Sleepy Molly: Unser Hausboot beim Mittagsschlaf (Foto: Munich Globe Bloggers)

(Hier geht’s zu Folge 1). Manche Träume brauchen ein halbes Leben bis sie wahr werden. Sie folgen einem als blasser Schatten durch die Jahre, versickern spurlos in maroden Gedächtniskanälen, und dann flüstern sie plötzlich mit der Stimme der großen Jugendliebe aus einer Tasse Kaffee, fangen dich ein mit unwiderstehlichen Amélie-Augen. Es gibt eigentlich keinen Grund, das Leben an sich ernst zu nehmen. Doch diese ewig wiederkehrenden Sehnsucht, das ist ein Auftrag, eine fucking Mission. Und wenn sie nach Irland führt und die besten Freunde an Bord sind, wird man noch einmal unsterblich. Was Lourdes, Fátima und das irische Knock mit seiner freakigen Weihwasserleitung für die Fans des FC Maria Muttergottes sind, ist der Shannon mit seinen Kanälen, Neben- und Zubringerflüssen für die Hausbootisten: heiliges Ziel.

Unser Startort Carrick-on-Shannon lebt von den Hausboot-Pilgern. Nicht gerade die Audrey Hepburn unter den Städten. Etwa so lebendig wie ein vampirloser Friedhof. Aber ein ehrliches Guinness gibt es allemal. Und natürlich treffen wir einen schrägen Polen. Freut sich mächtig, als er uns deutsch sprechen hört. Irland hat sich verändert. Aus dem Auswandererland ist ein Einwandererland geworden. Very cosmo. Hallo Dublin! Vor ein paar Jahren schon fielen mir die vielen Chinesen auf. Jetzt trifft man überall Polen. In Dub haben sie eigene Supermärkte und werben mit Broschüren für ihre Heimat. Visit Poland. Mitten in Dublins Alive-and-Swinging-Viertel Temple Bar umarmt uns eine Restaurantzettelverteilerin aus Krakau. Wir haben ihr von einem Projekt erzählt, das wir vor einer Ewigkeit gemacht haben. In einem Kaff namens Lutynka, zusammen mit einer bekannten polnischen NGO. Verglichen mit Lutynka ist Carrick der Big Apple.

Der Fluss ruft. Am Jamestown Canal hält der Schleusenmann den Daumen raus. Sein Freund und dessen Lady sind mit ihrem Hausboot auf Grund gelaufen und ziemlich nervös. „Nur schauen“, sagt der Schleusenmann und lotst uns zum gestrandeten Hausboot seiner Freunde. Dann versucht er doch gegen alle Warnungen im Captain’s Book das andere Boot loszueisen. Nach zehn Minuten sitzen wir auch fest. Aber der Ire an sich ist zäh. In voller Montur steigt der Schleusenmann in den wampentiefen, arschkalten Shannon und stemmt unsere Molly vom Riff. Superpam hatte schon ihren Dosenkranz in der Hand. Ein Beer Prayer zu St. Guinness hilft immer. Quasi altes irisches Hausmittel. Weiter geht’s. Immer südwärts. Anlegen, wo’s gefällt. Und ablegen, wenn die Sehnsucht glimmt. Sommer im Herzen und die Waterboys im Ohr. I wish I was a fisherman / tumblin’ on the seas / Far away from dry land / and its bitter memories …

(Weiter zu Folge 3)

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